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Fin Tech: Angriff auf das traditionelle Bankgeschäft

EFTEnde 2015 fand in Frankfurt die Euro Finance Tech im Rahmen der Euro Finance Week statt, bei der diverse Unternehmen ihre innovativen Finanztechnologien vorstellten. Hier wurde deutlich: Der Angriff auf das traditionelle Bankgeschäft ist in vollem Gange! Die Digitalisierung macht auch hier keinen halt.

Derzeit gibt es circa 170 FinTech-Firmen in Deutschland, wobei die Anzahl der Neugründungen stetig zunimmt. Rocket Internet und Axel Springer liegen bei deren Finanzierung weit vorn. Experten vor Ort vertreten die These, dass 60 Prozent des Retail Banking in den nächsten 10 Jahren von FinTech- Unternehmen übernommen wird. Dabei werden die klassischen Banken in der Bereichen Retail (Privatkundengeschäft), Zahlungsverkehr und Kreditvergabe angegriffen. IT-Modelle können hier unkompliziert gebaut werden, die FinTech-Unternehmen müssen nicht als Bank agieren. Sie unterliegen noch keiner Bankregulierung – wenn überhaupt müssen sie sich an die AIFM- Fondregulierungen halten. Ein Blick in die USA zeigt die Macht solch innovativer Finanztechnologien: der Online-Kreditvermittler Lending Club ist hier die größte  Peer-to-Peer-Plattform. Kredite in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar wurden hier vermittelt – allein im ersten Quartal 2015! Der Umsatz lag bei 81 Milliarden Dollar – trotz oder gerade wegen niedriger Zinsen und guter Renditen.  Das künftige Wachstumspotenzial für Lending Club ist enorm: Derzeit vermittelt der Marktführer jährlich erst 0,2 Prozent der ausstehenden US-Konsumentenkredite.

Der größte Vorteil der FinTech-Unternehmen gegenüber Banken ist wahrscheinlich ihr Zugang zu Big Data und deren Analyse: Mithilfe von Algorithmen werden Surf-und Kaufverhalten, Aktivitäten in sozialen Netzwerken, Rechtschreibung und auch die Wohngegend der Kunden unter die Lupe genommen. Auf Basis dieser Informationen erfolgt die Bonitätsprüfung.

Da stellt sich die Frage: Wer braucht zukünftig noch Banken? Fakt ist, dass FinTech-Unternehmen die Business-Modelle der Banken angreifen. Diese werden dann überlegen, ob sie das ein oder andere Start-up übernehmen wollen – oder müssen. Allerdings stellt sich dann eine ganz andere Frage: die nach den kulturellen Unterschieden. Das Personal der FinTechs sind überwiegend IT Fachleute, Strategieberater und, wenn maximal eine Person mit Banken Know-how. Verglichen mit der klassischen Bankenkultur treffen hier Welten aufeinander. Es gilt, Synergien zu finden und eine Kollaboration zwischen innovativen Entwicklern und Bankern zu ermöglichen. Dies wäre für beide Seiten eine klassische Win-Win-Situation. Allerdings ist besonders in Deutschland noch viel zu tun. Großbritannien ist bei der Rekrutierung digitaler Talente beispielsweise viel aggressiver. Bei der NOAH Conference in London, die ebenfalls im November 2015 stattfand, wurden Innovatoren gezielt angesprochen und gebeten, direkt in London zu gründen – günstige Büroräume inklusive. Solch eine Proaktivität fehlt in Deutschland. Zu sehen auch auf der Euro Finance Tech: Während die Finance Week noch gut besucht war, waren kaum Banker bei den Pitches der Start-ups anwesend und verpassten ein denkwürdiges Zitat des Abends: People trust Apple more than banks!

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