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Zum 4. Mal in Folge!

Kommentar zu Handelsblatt Artikel: Wie Medizinerinnen Karrierehürden überwinden

Im Handelsblatt las ich kürzlich einen Artikel zu Karrierehürden bei Medizinerinnen.

Als Personalberaterin spezialisiert im Krankenhauswesen besetze ich jedes Jahr rund 30 bis 40 Chefarztpositionen quer durch alle Fachgebiete neu, und das seit immerhin 27 Jahren. Man sollte meinen, dass die Anzahl der Chefärztinnen angesichts des allgemeinen Personalmangels im Ärztebereich und der damit gestiegenen Bereitschaft der Krankenhausmanager, auch neue Wege zu beschreiten, in den letzten Jahren entscheidend gewachsen sein muss. Dem ist aber leider nicht so. Rein statistisch betrachtet sind noch deutlich unter 10% der von meinem Unternehmen besetzten Chefarztstellen mit  weiblichen Kandidatinnen besetzt worden. Sonst machten selbst, wenn wir gute weibliche Bewerber hatten, fast immer die Männer das Rennen. Die Gründe dafür nennt der Artikel klar. Frauen haben durch Familienplanungen häufig längere Ausbildungswege, sie können in Zeiten der Abwesenheit vom Arbeitsplatz ihre Karrierenetzwerke nicht ausreichend pflegen, und in immer noch so stark hierarchisierten Systemen wie der Medizin ist die männliche Dominanz einfach präsent. Dazu kommt aber auch noch entscheidend, dass Frauen häufiger in Teams denken und ihnen oft der Willen und die Bereitschaft fehlt, die Führungsrolle im Team zu übernehmen bzw. dies auch unmissverständlich zu äußern. Gute Arbeit in der Medizin ist wohl immer Teamarbeit, aber für Erfolg bei der Bewerbung um die Chefstelle braucht man einfach immer noch die Bereitschaft, einen eindeutigen Führungsanspruch klar zu definieren, da die gesellschaftliche Wahrnehmung und damit auch die Beurteilung von Kandidaten im Prozess sich leider immer noch aus dem Bild des „Halbgottes in Weiß“ definiert. Ein fataler Beurteilungsfehler, dessen Konsequenzen wir alle noch spüren werden!

Anja Schelte