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Eine steile Karriere – alles nur Glück?

Kürzlich las ich im Handelsblatt einen Artikel zum Thema, welche Rolle pures Glück bei der Karriere spielt.

Sehr interessanter Ansatz! Es stellt sich die Frage, ob die Gründungsväter der Vereinigten Staaten von Amerika die Bedeutung des Faktors Glück im Mutterland des Kapitalismus schon richtig einschätzen konnten, als sie „pursuit of happiness“ in der amerikanischen Verfassung als menschliches Grundrecht definierten. Wenn Glück, wie hier behauptet wird, eine so entscheidende Rolle bei Karriere sehr erfolgreicher Menschen spielt, dann ist es nur recht und billig, das Streben nach Glück als wesentliches Merkmal des kapitalistischen Menschenbildes zu verankern.

Mir leuchten die Thesen allemal ein. Betrachten wir doch nur einmal Sternstunden der europäischen Kultur- und Geistesgeschichte wie die Renaissance. Natürlich waren Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael im besten Sinne des Wortes „Hipos“, also high potentials mit herausragenden, im Falle von da Vinci sogar universellen Begabungen. Doch würden wir heute ihre Werke bewundern können, wenn sie zu anderer Zeit an anderen Orten geboren worden wären? Wenn ihnen nicht durch eitle und mächtige Mäzene das entsprechende Umfeld und die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt worden wären? Wohl kaum. Wer weiß schon, ob nicht heute vergleichbare Begabungen in den Slums von Kalkutta ein kurzes und trauriges Leben fristen, ohne sich jemals entfalten zu können?

Ebenso sicher ist auf jeden Fall eins: Menschen, die ganz oben stehen, sei es in Politik oder Wirtschaft, haben häufig nicht nur Glück, sondern auch persönliche Eigenschaften wie Rücksichtslosigkeit, fehlende Empathie und Narzissmus, die sie auch dahin bringen, wo sie sind. Dass in vielen Führungsetagen durchaus pathologische Verhaltensweisen eine große Rolle spielen, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Auch in dieser Hinsicht ist der Hinweis des Autors für uns Headhunter richtig: vielleicht ist der bessere Kandidat/Kandidatin auf der zweiten Ebene unterwegs. Dann müssen wir nur noch aufpassen, dass er sich auf dem Weg nach ganz oben nicht zu sehr zu seinem Nachteil verändert…

Anja Schelte