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Karrierefrauen im Schulunterricht: Fehlanzeige

Kommentar zu einem Artikel in der Welt.

Ganz ehrlich: die Forschungsergebnisse der Studie der Friedrich Naumann Stiftung erschrecken mich zutiefst. 1963 geboren, habe ich selbst anhand der eigenen Biographie wesentliche Meilensteine der Gleichstellung von Mann und Frau, oder, wie wir früher eher fälschlich, teilweise aber plastischer sagten „der Frauenemanzipation“ miterleben dürfen. Natürlich habe ich selbst als Kind in meinen Schulbüchern noch ausschließlich im Röckchen mit weißen Söckchen gekleidete „Sabines“ und „Petras“ erlebt, archetypische Musterbilder für zukünftige Mütter und Ehefrauen, die klar alten Rollenklischees entsprachen. Auch in der gymnasialen Zeit gab es keine aufbegehrenden Amazonen oder in unbekannte Gefilde vorstoßende Pionierinnen, von der allseits gerne gezeigten Marie Curie mal abgesehen.

 

Leider liegen sowohl meine eigenen Schulzeiten und Ausbildungszeiten als „Lehramtsanwärterin“ viel zu lange zurück, um die aktuelle Situation beurteilen zu können, und mein eigener Sohn ist auch schon erwachsen. Aber ich hätte mir nicht vorstellen können, dass sich da so wenig getan hat, wie diese Studie jetzt belegt. Erschreckend! Gibt es da zu wenig Wissenstransfer von den politischen Bildungsinstanzen in die Schulbuchverlage? Das wäre doch einmal ein gutes Thema für alle, die sich politisch für die Gleichstellung einsetzen! Schließlich werden Rollenbilder in der Erziehung und Sozialisation geprägt und sind später nur deutlich schwerer aufzubrechen. Und hier bitte auch keine falsche Rücksichtnahme auf Religionszugehörigkeiten oder Ethnien! Zu den wesentlichen Werten unserer westlichen Demokratie dürfen wir schon gerne stehen, und da gehört die Gleichstellung der Geschlechter als gesellschaftliches Ziel allemal dazu!

Anja Schelte